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Was Sie über Innendämmungen wissen sollten

Von Ralf Plag | 15.4.2011

Bei einer Innendämmung ist Tauwasser praktisch nicht zu vermeiden. So kommen Sie trotzdem zu einer funktionierenden und dauerhaften Dämmung.

Die folgenden 8 Punkte sollten bei der Planung einer Innendämmung beachtet werden:

  1. Während der Heizperiode diffundiert der in der Raumluft enthaltene Wasserdampf durch die Außenwand nach draußen. Wenn er dabei auf ein kaltes Hindernis stößt, kondensiert der Wasserdampf daran zu Tauwasser. Genau dies geschieht bei einer Innendämmung: Nachdem der Wasserdampf die Dämmschicht überwunden hat, staut er sich vor dem kalten Mauerwerk und kondensiert daran.


    Problemfall Innendämmung: Weil die Temperatur (schwarze Linie) innerhalb der Dämmung abfällt und Feuchtigkeit nicht problemlos nach außen entweichen kann, nimmt die Luftfeuchtigkeit (rot) innerhalb des Bauteils zu und erreicht an der Innenseite der Außenwand 100%: Tauwasserausfall!

  2. Eine Dampfsperre auf der Innenseite der Dämmung scheint dieses Problem zu lösen. Mit einer perfekt verklebten Alufolie würde der Feuchtigkeitsstrom theoretisch auf Null reduziert werden. In der Praxis klappt das nur in den seltensten Fällen, denn einerseits dringt durch die sogenannte Flankendiffusion, also durch angrenzende Bauteile, auch bei perfekt verklebten Folien immer etwas Feuchtigkeit in die Dämmung ein und andererseits ist eine Dampfsperre kaum dauerhaft dicht zu bekommen (Materialfehler, spätere Risse durch arbeitende Bauteile, schwierig zu dichtende Anschlüsse und Durchführungen z.B. bei Steckdosen, Leitungen, Türen). Dazu kommt von außen eindringende Feuchtigkeit durch Schlagregen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass in der Realität mehr Feuchtigkeit als in der Berechnung angenommen in das Bauteil eindringt – mehr, als wegen der Sperrschicht im Sommer wieder trocknen kann. Langfristig kann sich so mehr und mehr Feuchtigkeit im Bauteil ansammeln.
  3. Eine Dampfbremse schränkt das Austrocknungsvermögen weniger stark ein. Da das Eindringen von Feuchtigkeit aber in gleichem Maße reduziert wird, kann es trotzdem passieren, dass sich Feuchtigkeit über die Jahre ansammelt, insbesondere wenn die Außenwand relativ dampfdicht ist. Ideal ist deshalb eine feuchtevariable Dampfbremse, die im Winter den Feuchtigkeitsstrom drosselt, im Sommer aber das Trocknungsvermögen nur wenig einschränkt.
  4. Da Tauwasser also unumgänglich ist, sollte weniger auf die Vermeidung von Tauwasser und mehr auf die unschädliche Speicherung und sommerliche Trocknung geachtet werden. Dies erledigen feuchteunempfindliche und kapillaraktive Baustoffe. Die Kapillarität bewirkt eine Verteilung des Tauwassers und leitet die Feuchtigkeit an die Oberfläche des Bauteils, wo sie schneller trocknen kann.
  5. Das Tauwasser sollte von der zu dämmenden Wand direkt aufgenommen werden können. Dazu muss die Wand aus einem sorptionsfähigen und kapillar leitenden Material bestehen, idealerweise weich gebrannte Ziegelsteine. Eine innenseitige Sperrschicht, z.B. Zementputz, Fliesen oder wasserundurchlässige Farbschichten, dürfen nicht vorhanden sein bzw. sollten entfernt werden. Auch Betonwände sind bei sehr diffusionsoffenen Aufbauten überfordert.
  6. Kann oder soll die zu dämmende Wand das Tauwasser nicht aufnehmen, muss dies der Dämmstoff selbst erledigen. Hier bieten sich z.B. Holzfaserdämmplatten* oder Kalziumsilikatplatten* an, die direkten und großflächigen Kontakt zur Wand haben müssen um das an der Wandinnenseite entstehende Tauwasser aufnehmen zu können. Hohlräume zwischen Dämmplatte und Wand sollten auch aus einem anderen Grund vermieden werden: Ist die Innenverkleidung undicht (und damit muss immer gerechnet werden), kann feuchtwarme Raumluft hinter die Dämmplatten gelangen. Kondensation und Schimmelbildung sind die Folgen. Eine zweite Variante ohne die genannten Risikofaktoren ist ein Ständerwerk, das raumseitig mit OSB- und Gipskartonplatte verkleidet wird. Der Hohlraum wird anschließend mit Zelluloseflocken* ausgeblasen.
  7. Auch beim Einsatz von kapillaraktiven Materialien wird Feuchtigkeit entstehen, allerdings weniger, als der U-Wert-Rechner anzeigt, weil sich durch die großflächige Verteilung des Tauwassers das Diffusionsverhalten des Bauteils ändert. Dieser Effekt wird im Moment bei der Berechnung leider noch nicht berücksichtigt.
  8. Bei Fachwerkhäusern ist besondere Vorsicht angebracht, da das unvermeidliche Tauwasser unter keinen Umständen die Holzfeuchtigkeit der Balken über eine kritische Schwelle heben darf. Weitere Informationen finden Sie im Artikel Innendämmung von Fachwerk.

* Bitte beachten Sie immer die Herstellerangaben zu Einsatzmöglichkeiten und Verarbeitung

Themen: Bauphysik, FAQ, Innendämmung


57 Kommentare zu “Was Sie über Innendämmungen wissen sollten”

  1. Stefan meint:
    10.März 2016 at 21:59

    Hallo Herr Dr. Plag,

    auch ich habe eine Innendämmmaßnahme im Keller vor. Das Haus (DHH) ist Baujahr 1999 und der Keller ist so gut wie komplett unter der Erde und in WU-Beton ausgeführt (gegossen). Der „große“ Raum im Keller ist mit einem Heizkörper ausgestattet. Die Wände/der Keller sind trocken und durch eine leichte Hanglage im märkischen Sand, ist das Haus relativ gut vor stehendem Wasser von außen geschützt. Ich hätte nach dem durchstöbern Ihrer Seite jetzt vor, denn kompletten Keller (Außenwände, inkl. Trennwand, KS 2×17,5cm) von innen mit kapillaraktiven Dämmstoff zu bekleben und den beheizten Raum inkl. der Innenwände. Gibt es so aus der Ferne betrachtet Einwände? Ich bin auch der Meinung eine nahezu dampfdichte Dämmung werde ich kaum (Leitungen, Elektroanschluss, Wasser, Abwasser, Gas…) werde ich nicht realisieren können. Zusätzlich lasse ich in regelmäßigen Abständen (je nach Nutzung) im beheizten Kellerraum einen Lufttrockner laufen bis er ca. 60 % erreicht hat (65 – 75 % ist der Normalwert bei mir im Keller) und im Sommer bleiben auch die großen Kellerfenster geschlossen.
    Sind eher Holzfaserplatten oder Silikatplatten (leider sehr teuer) zu empfehlen? Ich habe noch kein perforiertes PU Dämmmaterial eines großen Herstellers gefunden. Können Sie da eines empfehlen ? Wie sieht es mit der Stoßempfindlichkeit der verschiedenen Varianten aus?
    Vielen Dank
    Gruß Stefan aus Potsdam

  2. Herbert Fauser meint:
    21.März 2016 at 20:13

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich saniere gerade ein altes 3 Familienhaus. Nun bin ich mir nicht sicher ob es Sinn macht zwischen den beheizten Geschossen in die Decken eine Dämmung einzubringen, es handelt sich um eine Holzbalkendecke. Im Augenblick ist der Aufbau folgender. Von unten Putz, Schilfrohrmatten, Schallung, Deckenbalken, Dielenböden. Im Internet finde ich leider keine Eindeutige Lösung. Evtl macht es ja sogar Sinn auf die vorhandenden Putzdecke nur eine Rigipsplatte aufzuschrauben.??? Bitte um Hilfe.

    Viele Grüße
    Herbert

  3. V. Männel meint:
    1.April 2016 at 11:03

    Sehr geehrter Herr Dr.Plag,
    ich habe ein 32 Jahre altes Mehrfamilienhaus mit
    einem „Woermann“-Dach.
    Seit einiger Zeit zeigen sich an der Raufaserdecke
    im Fugenbereich der Dämmplatten Wölbungen,die vermutlich auf Dampfdruck beruhen.Lt Dachdecker ist das Sperrbetondach oben dicht.
    Welche kostengünstige“Heilung“ könnten Sie hier empfehlen

  4. Silke Weber meint:
    27.April 2016 at 13:35

    Sehr geehrter Hr. Dr. Plag,
    Wir haben ein Gebäude Bj.1998 und wollen hier nun eine Dachterasse/Loggia bauen. Dazu wird 1m innerhalb des Gebäudes sein und ca 1,20m außerhalb.
    Wie mus jetzt die rohe Fläche über der 18cm Betondecke isoliert werden? Unser Problem dabei ist noch dass der bestehende Fußbodenaufbau in der Küche , von wo aus man auf die Loggia kommt, ca 12cm hat und eine Durchgangshöhe zum Vordach 195 cm vom Küchenboden.
    Aufgrund der Isolation sind wir uns auch nicht einig ob der außenliegende Balkonteil mit Balken oder Eisenträger auf den Betonboden geschraubt wird oder von außen an die Wand gehängt werden soll.
    Von meinem Mann werden Holzbalken als Träger bevorzugt, aber hier ergibt sich meiner Meinung nach ein viel zu hoher Fußbodenaufbau.
    Wenn Sie uns hier weiterhelfen könnten wäre das super.
    Vielen Dank
    Silke aus dem Allgäu

  5. P.Sommer meint:
    22.Juli 2016 at 15:55

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    wir müssen eine drei Zimmerwohnung renovieren.
    An zwei Aussenwänden entstand durch einen Betonpfeiler Schimmel. Wir wollten erst die Außenwände von innen mit Calzium-Silikatplatten dämmen, haben aber da einen Gipsputz und wollen den nicht wie vorgeschrieben um 2/3 abtragen.Wir suchen daher nach einer Alternative.In diese Wohnung kommen auch neue Fenster, außerdem eine dezentrale Lüftungsanlage.
    Falls Sie und da einen Rat geben könnten wäre das super. Vielen Dank und Grüße Patricia

  6. Betzi meint:
    30.Juli 2016 at 20:32

    Sehr geehrter Herr Dr. Plag,

    meine Garage ist 10m lang und in zwei Räume geteilt.
    Vordere Teil ist Garage, hinterer Teil Gästezimmer.
    Im Garagenteil habe ich eine Porenbeton Wand 17,5
    gezogen und somit die Garage verkleinert . Es ist ein zusätzlicher Flur entstanden, von dem aus ich einen Durchbruch zum Haupthaus gemacht habe. Nun möchte ich die neu gemauerte Wand dämmen. Aber auf welcher Seite? Und wie, bzw. mit welchem Material ist es am sinnvollsten.
    Meine Idee ist Rigipsverbundplatten an die Innenseite.
    Die neue Wand hat auch eine Fh-Tür. Evtl.kommt noch eine Zimmertür vor die Fh-Tür.
    Für eine Lösung des Problems wäre ich Ihnen Dankbar.

    MfG Betzi

  7. Rousek Gerd meint:
    30.Oktober 2016 at 12:12

    Hallo Herr Plag

    ich baue in einem WC eine Dusche rein. Dazu habe ich eine Wand zur Garage entfernt.
    Jetzt wollte ich die Erweiterung in Trockenbau machen.Die Innenwand (doppelte Rigipsplatte) wird ganz mit Dichtfarbe gestrichen und gefliest.
    Meine Frage muss ich ein Dampfsperre anbringen?.
    Wenn ja kann ich sie innen an die Ständer anbringen und die Rigipsplatte direkt auf die Folie schrauben ohne einer Luftschicht?

    MfG Gerd

Kommentare

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