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Flankendiffusion – Feuchtigkeit trotz Dampfsperre

Von Ralf Plag | 13.3.2011

Dampfsperren wie z.B. Alufolie lösen theoretisch fast jedes Tauwasserproblem. Die Praxis sieht aber leider anders aus. Eine der Ursachen für Feuchtigkeit trotz Dampfsperre ist die sogenannte Flankendiffusion.

Von Flankendiffusion spricht man, wenn Wasserdampf durch ein angrenzendes Bauteil wie z.B. eine Innenwand hinter die Dampfsperre gelangt. Folgende Abbildung veranschaulicht den Effekt:


Flankendiffusion am Beispiel einer Innendämmung mit Dampfsperre: Durch die angrenzende Innenwand diffundiert eine geringe Menge Wasserdampf hinter die Dampfsperre (gestrichelte Linie).

Aus diesen Grund sollte man den Einsatz einer Dampfsperre sorgfältig abwägen. In vielen Fällen ist eine feuchte-variable Dampfbremse besser geeignet. Flankendiffusion ist vor allem auch bei der Dämmung des Daches relevant, wenn sich auf der Außenseite eine dampfundurchlässige Bitumenbahn befindet. In diesem Fall ist die Feuchtigkeit zwischen zwei Dampfsperren eingeschlossen und kann sich über die Jahre dort ansammeln.

Themen: Bauphysik, Innendämmung


20 Kommentare zu “Flankendiffusion – Feuchtigkeit trotz Dampfsperre”

  1. Tobias L meint:
    23.April 2011 at 23:02

    Guten Tag,

    erstmal Glückwunsch zur sehr informativen Website!

    Die Darstellung zur Flankendiffusion verdeutlicht mal wieder, dass Innendämmung nicht optimal ist.

    Ich frage mich jetzt aber inwieweit man das Problem auf Bodendämmung übertragen kann. Ich habe ein Problem, das dem Bild oben um 90° im Uhrzeigersinn gedreht entspricht.

    Da die Außendämmung erst in 2015 angepackt wird ist der Keller auf jeden Fall die nächsten 4 Jahre noch unbeheizt und daraus folgt wahrscheinlich auch eine Tauwasserbildung. Im Fall der Alukaschierten Dämmplatte halt als Flankendiffusion. Wobei die Alukaschierung natürlich im Sommer auch das Austrocknen sehr wirkungsvoll verhindert. Jetzt frag ich mich ob es besser sein könnte eine mineralvlieskschierte PUR-Dämmplatte zu benutzen und dadurch zwar mehr Tauwasser zu bekommen, aber halt auch einfach einen Werkstoff zu haben der der sommerlichen Trocknung nicht im Weg steht.

    Viele Grüße und Frohe Ostern,
    Tobias L.
    [Anm. von admin: Text gekürzt]

  2. Ralf Plag meint:
    25.April 2011 at 14:16

    Hallo Tobias,

    das Problem mit der Flankendiffusion bei Innenwänden gegen Fußböden ist weniger kritisch, weil die Temperatur des darunter liegenden Erdreichs oder unbeheizten Kellers normalerweise deutlich über der Außentemperatur liegt.

    Z.B. kann bei DIN-Innentemperaturen von 20°C und 50% Luftfeuchtigkeit Tauwasser überhaupt erst unterhalb 9,3°C entstehen. Bei 20°C und 40% Luftfeuchtigkeit unterhalb von 6°C und bei 30% erst unterhalb von 2°C.

    Wenn Sie Ihren Keller über dieser Temperatur halten können, ist jede Sorge unangebracht. Allerdings sollten Sie jetzt nicht jedes Fenster akribisch abdichten, denn ein Mindestluftwechsel ist notwendig, um Feuchtigkeit abzutransportieren.

    Als weiterer Vergleich: Die Temperatur des ungestörten Erdreichs in 2m Tiefe fällt praktisch das ganze Jahr über nicht unter 8°C.

    Grüße und viel Erfolg mit Ihrem Vorhaben!

  3. KHolbein meint:
    19.Juni 2011 at 18:41

    Guten Tag,

    zum Thema der Flankendiffusion: wenn ich die oberste Geschossdecke mit alu-kaschierten PUR-Hartschaumplatten plus Holzwerkstoffplatten als Fußbodenbelag dämme, dann ist doch im Grunde eine Dampfsperre zur darunter liegenden Massivdecke vorhanden. Gelegentlich wird zusätzlich noch der Einbau einer Dampfsperre (PE- oder PP-Folie) genannt. Wenn diese Folie an den Seiten hochgezogen wird, lässt sich dadurch evtl. die Flankendiffusion verhindern?

    Vile Grüße
    KH

  4. Ralf Plag meint:
    23.Juni 2011 at 09:30

    Wenn die alu-kaschierten PUR-Platten fugenfrei verlegt sind, sollte eine zusätzliche Dampfbremse nicht notwendig sein. Allerdings ist fraglich, ob die Fugenfreiheit dauerhaft gewährleistet werden kann, z.B. wenn die darunter liegende historische Holzdecke arbeitet. Eine Folie unter der Dämmung ist deshalb sicherlich nicht falsch. Dass das Hochziehen am Rand einen großen Vorteil bringt, glaube ich persönlich allerdings nicht. Sicherlich wird es die Flankendiffusion reduzieren (nicht aber verhindern), andererseits wird die Folie dann auch das Austrocknen erschweren. Idealerweise müsste die Stirnfläche der Dämmung von Außenluft umspült werden, damit handeln Sie sich aber eine Wärmebrücke ein…

  5. Pambor Heinz meint:
    8.August 2011 at 15:15

    Guten Tag ,
    wir bearbeiten ein historisches Ziegelmauerwerk-Gebäude und möchten mit 8cm Miltipor von Ytong die Innendämmung ausführen, zur Vermeidung der Flankendiffusion soll umlaufend der Heizungsrücklauf in den Ecken verlegt werden -Kunststoffrohr mit einer Wärmeabgabe von 10 Watt
    pro lfdm Meter-.Wir sind der Meinung das damit Feuchteschäden ausgeschlossen sind bei sonst fachmännischen aufbringen der Wärmedämmung.
    Liegen wir damit richtig und der Nutzer später trocken .Vielen Dank im Voraus Heinz Pambor

  6. Ralf Plag meint:
    8.August 2011 at 16:07

    Mit dem Heizungsrücklauf können Sie Kondensation in den Ecken vermeiden. Das Eindringen von Wasserdampf, der möglicherweise hinter der Dämmung kondensiert, können Sie dadurch aber nicht verhindern.
    Grüße
    Ralf Plag

  7. Helfried Kravanja meint:
    15.August 2011 at 16:58

    Wenn ich das richtig verstehe, dann müsste eine nachträglich fachgerechte Anbringung einer Dampfbremse in einem schon ausgebauten Dachgeschoßraum also rundherum erfolgen (alle Zwischenwände des Raumes, Decke und Fupboden)?
    mfg
    Helfried Kravanja

  8. Ralf Plag meint:
    16.August 2011 at 11:59

    Das wäre vielleicht etwas zu viel des Guten. Je nach Klima auf der anderen Seite der Zwischenwand, Decke oder Fußboden könnte das sogar kontraproduktiv sein, Wenn es sich tatsächlich um eine kritische Konstruktion handelt, z.B. bei feuchteempfindlichen Materialien oder bei erschwerter Austrocknung, würde ich die Dampfbremse ein Stück weit auf der Zwischenwand entlang führen, je nach Dampfbremse und Untergrund vielleicht 10-30cm weit. Dadurch wird die Flankendiffusion schon deutlich reduziert.

  9. Helfried Kravanja meint:
    20.August 2011 at 20:07

    1. Danke für die rasche Antwort
    2. Danke für Ihre SUPERSEITE
    3. Danke für den SUPER U-Wert-Rechner

    mfg
    Helfried Kravanja

  10. Schnitzer meint:
    25.Oktober 2011 at 14:50

    Super web seite super u-rechner hochachtung.
    Werde doch innendämmung verwenden , weil ich eine stuckfassade habe. Zur vermeidung (reduzierung) der
    flankendiffusion werde ich 24 cm die dämmung an die innenwand anbringen (mit aluband abgeklebt) sieht dann aus wie ein pfeiler.
    Ich hoffe das hilft…

  11. Bastian Niemann meint:
    26.Oktober 2011 at 11:36

    Interessant, interessant. Die Seite ist super, weil man da alles an Aufbauten durchprobieren kann.

    Nun im erweiterten sinne zum obigen Problem: Ich habe mir mal eine lange dünne Sonde (2 mm Durchmesser) gekauft, ca. 20€ bei Conrad, mit der man mittels Multimeter, das viele ja sowieso haben, die relative Feuchte „messen können soll“, wenn man die Sonde z.B. in ein dünnes Bohrloch einführt.

    Kennt jemand solche Meßmethode, ist diese – ggf mit anderen Geräten – gängig oder sinnvoll?

    mfg Bastian Niemann

  12. Daytonacat meint:
    19.November 2011 at 14:47

    Zum Thema Flankendiffusion….. Das Sicherste und die besten Erfahrungen haben wir mit Klimamembranen, also Dampfbremsen statt Dampfsperren, gemacht. So kann die eingeschlossene Feuchtikeit entweichen, wenn es trocken ist, wird die Bremse zur Sperre….!

  13. Ralf Plag meint:
    4.Dezember 2011 at 17:24

    Gemeint sind feuchtevariable Dampfbremsen, die tatsächlich einen Vorteil gegenüber einfachen Folien bringen.

  14. H. Bode meint:
    29.März 2012 at 13:35

    Wenn wir Sanierungen planen erwägen wir folgende Möglichkeiten:
    – wenn eine gemauerte Wand die Durchgängigkeit der neu zu verlegenden Dampfsperre unterbricht, könnte eine senkrechte Verkieselung in diesem Bereich Abhilfe schaffen. Zusätzlich wäre ein Absperrputz fachgerecht aufzubringen. Sofern der Anschluss der Dampfsperre dann auch fachgerecht ist, kann die Flankendiffusion extrem gemindert werden.
    – Wenn die unterbrechende Wand in Leichtbauweise ist, wäre diese im Anschlussbereich zurückzubauen, Dampfsperre durchführen, Wandanschluss wieder herstellen, jedoch ohne die Dampfsperre zu verletzen.
    – Bei Betonwänden muss lediglich die Dampfsperre fachgerecht angeschlossen werden, da die Betonwand an sich vergleichsweise dampfdicht ist. Lediglich evtl. vorhandener Putz müsste unterbrochen werden.
    – In jedem Fall muss man alle Anschlüsse in die Betrachtung einbeziehen (Decke, Boden).

  15. jogi54 meint:
    14.Dezember 2012 at 03:43

    Soweit es sich um alu kaschiertes PUR handelt, würde eine konsequente Alu „Verkleidung“ aller unkaschierten Bereiche mittels Alufolie deutlich zierführend sein…

    LG jogi

  16. Markus meint:
    7.Januar 2013 at 19:44

    Guten Tag

    Mein vorhaben ist folgendes:

    Im Moment möchte ich eine Innenisolation anbringen die wie folgt aufgebaut ist:
    – 24 mm Gipsfaserplatte
    – Dampfsperre
    – 40mm Spaceloft
    – Dampfsperre
    – 300 mm Bruchsteinmauer

    Der Grund der Innenisolation liegt bei der Unterputzverlegung der Elektrorohre und der Wasserrohre.

    In ca. 5 Jahren wird eine 150mm RESOL Aussenisolation folgen…

    Ist das Vorhaben sinnvoll und ohne Folgeschäden machbar ?

    Beste Grüsse aus der Schweiz

  17. R. Kininger meint:
    12.Januar 2013 at 17:29

    Ich habe genau folgendes Problem. Aus Ihrem Bericht ist leider nicht ganz ersichtlich was in dem Fall besser ist.

    Fall.
    Wohnraum im UG beheizt, darüber Dachterasse mit Dampfsperre, Bitumen – Abdichtung und Dämmung.
    Betondecke ist aus WU – Beton

    Nun soll diese von unten (warmer Wohnraum) noch zusätzlich mit alukasierten PU-Platten gedämmz weden.

    Was ist hier besser Alu-Dampfsperre oder Dampfbremse unter den Platten.

    Nach oben geht ja kein Dampf mehr durch wegen der Dachterasse und WU- Beton mit Dampfsperre?

    Was empfehlt ihr hier? Sperre oder Bremse?

    Desten Dank

  18. Kininger meint:
    14.Januar 2013 at 16:09

    Hallo,

    Ausgangssituation ist folgende:
    WU – Betonplatte darauf
    Flachdachterasse mit Dampfsperre, Bitumenabdichtung und Dämmung.

    Darunter Wohnraum mit WDVS der noch von innen zusätzlich noch mit AL-PUR gedämmt werden soll.
    Dämmung und Dampfsperre!

    Wie kritisch ist folgende Aussage hier zu sehen?

    „Flankendiffusion ist vor allem auch bei der Dämmung des Daches relevant, wenn sich auf der Außenseite eine dampfundurchlässige Bitumenbahn befindet. In diesem Fall ist die Feuchtigkeit zwischen zwei Dampfsperren eingeschlossen und kann sich über die Jahre dort ansammeln.

    Währe hier eine feuchtevariable Dampfbremse besser?
    Ich denke nicht da Aussen mit der Bitumenabdichtung ja alles Dampfundurchlässig ist, und keine Rücktrocknung von Oben statfinden kann.

    Daher meine ich Alu – Dampfbremse mit sD >1500 oder was meine Ihr hierzu?

  19. DerAchim meint:
    9.Februar 2013 at 19:17

    Zusatzlich zur Flankendiffusion sind Raum- und Gebäudeecken konstruktionsbedingt kälter als die Wände, da dem Innenfläche in Ecken eine vielfach größere Außenfläche gegenübersteht. Hierfür gibt es von mindestens einem Holzfaserproduzenten Dämmkeile, die die Innendämmung an den Flanken unterstützt.

  20. R. Kohli meint:
    13.Januar 2014 at 07:34

    Werte Kollegen,

    bezüglich der Flankendiffusion habe ich kürzlich einen Forschungsbericht von Fraunhofer gelesen (leider finde ich ihn nicht mehr). Da hat man dem Problem der zu tiefen Temperatur im Bauteil Abhilfe geschaffen, indem einfach entlang der Balkenlage und durch die Dämmung ein Aluminiumblech angeschraubt wurde. Dadurch wird ein Teil der Innentemperatur in das Bauteil abgeleitet. 3D-Simulationen haben gezeigt, dass dann keine tiefe Temperaturen mehr herrschen und es nicht mehr zu einer Kondensation kommt.

    Beste Grüsse aus CH

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