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Innendämmung von Fachwerk

Von Ralf Plag | 21.5.2010

Eine Innendämmung ist im Vergleich zur Außendämmung immer die bauphysikalisch schlechtere Lösung:

Dampfbremse?

Theoretisch könnte eine raumseitig angeordnete Dampfbremse das Tauwasserproblem lösen. Davon wird bei Fachwerkhäusern aber dringend abgeraten, denn gerade hier wird eine Dampfbremse kaum dauerhaft dicht bleiben. Das Problem sind nicht nur sämtliche Anschlüsse und Durchführungen (Steckdosen, Leitungen, Türen, …) sondern auch die sogenannte Flankendiffusion und die Bewegungen der Holzkonstruktion, die die Dampfbremse mitmachen muss. Wird die Dampfbremse an einer Stelle undicht, können hier unter Umständen große Mengen Feuchtigkeit in die Dämmung gelangen. Das Austrocknen wird dagegen weiterhin von der Dampfbremse erschwert.

Empfohlene Varianten

Wie bereits erwähnt, muss der Dämmstoff Feuchtigkeit schadlos aufnehmen können. Dabei bewährt haben sich (Leicht-)Lehm und Holzfaserdämmplatten. Wer auf einen möglichst dünnen Aufbau Wert legt, wird um die vergleichsweise gut dämmenden Holzfaserplatten kaum herum kommen.

Holzfaserdämmplatten

Holzfaserdämmplatten werden in einem Lehmbett vollflächig an die Wand geklebt. Holz und Lehm sind eine seit Jahrhunderten bewährte Kombination. Nicht ohne Grund: Lehm ist stark saugfähig und hält die Feuchtigkeit vom Holz fern. Die Stärke der Holzfaserdämmplatten sollte nach Meinung vieler Experten 6 cm nicht übersteigen. Als Innenputz eignet sich ebenfalls ein Lehmputz oder ein Kalkputz.

Wem dieser Aufbau nicht sicher genug ist, der kann die Holzfaserdämmplatte mit einer Wandheizung versehen. Dazu werden Heizungsrohre (z.B. 16 mm starke Mehrschichtverbundrohre) auf der Dämmplatte verlegt und zusammen mit einem Armierungsgewebe mit Lehm in mehreren Schichten eingeputzt. Dies ist mit etwas Erfahrung auch in Eigenleistung möglich. Die höhere Oberflächentemperatur lässt nicht nur das Tauwasser schneller verdunsten, sondern sie sorgt auch für ein sehr angenehmes Raumklima. In dieser Kombination sind sicher auch höhere Dämmstärken möglich und sinnvoll.

Innendämmung mit Holzfaserdämmplatten (Querschnitt)

Aufbau einer Innendämmung mit Holzweichfaserplatten. Das unvermeidliche Tauwasser wird großteils vom Lehmputz und der Dämmplatte aufgenommen und kann auf der Wandinnenseite verdunsten.

Leichtlehm und Schilfrohr

Leichtlehm (z.B. Strohlehm) und Schilfrohr haben eine lange Tradition. Die hygroskopische Eigenschaften von Leichtlehm machen ihn -feuchtigkeitstechnisch- zur idealen Dämmvariante. Leider ist die Dämmwirkung vergleichsweise gering, so dass die Dämmung deutlich dicker ausfallen wird und der Raumverlust möglicherweise zu hoch erscheint.

Schilfrohr ist von Natur aus feuchteunempfindlich, allerdings ist seine Dämmwirkung und die Fähigkeit, Tauwasser aufzunehmen und zu transportieren, schlechter als bei Holzfaserdämmplatten. Hier müssen unbedingt die örtlichen Gegebenheiten berücksichtig werden und die Planung sollte einem Experten überlassen werden. Der vermutlich einzige Vorteil von Schilfrohr gegenüber Holzfaserdämmplatten ist sein günstiger Preis.

Was Sie vermeiden sollten

Mineralwolle

Negativbeispiel: Innendämmung von Fachwerk mit Mineralwolle

Bei einer Innendämmung mit Mineralwolle liegt die Tauwasserzone auf der Innenseite der Fachwerkkonstruktion. Die Dämmung aus Mineralwolle ist jedoch nicht in der Lage, das Tauwasser aufzunehmen und an die Oberfläche zu transportieren. Das Tauwasser wird sich in der Fachwerkwand ansammeln und langfristig Schaden anrichten.

Styropor

Auch bei einer Innendämmung mit Styropor liegt die Tauwasserzone auf der Innenseite der Fachwerkwand. Styropor ist allerdings wesentlich diffusionsdichter als Mineralwolle. Deshalb würde hinter einer lückenlosen Schicht aus Styropor deutlich weniger Tauwasser ausfallen, als hinter Mineralwolle. Allerdings behindert das diffusionsdichtere Styropor auch die Austrocknung. Und ob die Dämmung tatsächlich lückenlos (also luftdicht) eingebaut werden kann, darf bezweifelt werden. Falls nicht, sieht die Situation noch schlechter aus, als bei Mineralwolle.

Bei beiden Varianten kommt ein weiterer negativer Effekt hinzu: Die Wand kann kaum Feuchte puffern und hat deshalb keine ausgleichende Wirkung auf die Luftfeuchtigkeit.

Eine Bitte zum Schluss

Was für Dämmmaßnahmen grunsätzlich gilt, gilt bei Fachwerkhäusern ganz besonders: Lassen Sie sich von einem erfahrenen(!) Planer vor Ort beraten. Eine ungeeignete Dämmung kann gerade bei einem Fachwerkhaus große Schäden anrichten. Diese Webseite kann nur grundlegende Informationen vermitteln, die Beratung im Einzelfall kann sie nicht ersetzen.

Themen: Bauphysik, Informationen, Innendämmung


19 Kommentare zu “Innendämmung von Fachwerk”

  1. Tinky meint:
    20.September 2010 at 15:44

    Wenn ich jetzt noch alles blicken würde ;-)

  2. Heiko meint:
    23.Oktober 2010 at 23:55

    Sehr schön. Bin beeindruckt. Beschäftige mich seit Jahren mit der Thematik (als Zimmermeister und privater Bauherr – natürlich im FW-Haus) und auch mit kontroversen Sichtweisen (z.B. Paul Bossert oder auch obigem Thema, wo ja St. Glaser quasi vom Sockel gestoßen wird).
    Ich will doch sehr hoffen, daß uns diese Seite mit dem Rechner noch lange erhalten bleiben wird!
    Glück auf!

  3. Ferris76 meint:
    23.Februar 2011 at 12:13

    Google mich gerade auch durch das Thema. Hier habe ich auch noch was gefunden http://www.baumarkt.de/suchen.htm?suchbegriff=fachwerk+d%E4mmen&go=go .

  4. Martin Vogel meint:
    30.März 2011 at 21:28

    Was mich wundert ist, dass die Mineraldämmplatten-Systeme wie Ytong Multipor hier im Rechner keine deutliche Verbesserung bzgl. Tauwasser bringen. Diese sind doch im Vergleich zu EPS/Styropor/Neopor deutlich diffussionsoffener. ?

  5. Ralf Plag meint:
    3.April 2011 at 18:08

    Eine einzelne diffusionsoffene Schicht ist leider keine Garantie für einen funktionierenden Feuchteschutz. Es kommt auf das Zusammenspiel der einzelnen Schichten an.
    Um einen Feuchtigkeitsstau (im Winter) zu vermeiden, sollte ein Bauteil idealerweise von innen nach außen diffusionsoffener werden. Diffusionsoffene Schichten sind deshalb auf der Außenseite sinnvoll. Aber selbst dort bewirkt der Außenputz als äußerste Schicht fast immer eine Verletzung dieser Regel.

  6. Michael Drews meint:
    12.Juli 2011 at 22:29

    Um die kapillare Leitfähigkeit der Holzfaserplatten zu testen, habe ich mir verschiedene Ausführungen besorgt und Probestücke davon in Wasser gestellt. Leider konnte ich dabei keinerlei kapillare Leitfähigkeit feststellen! Das Wasser stieg kaum bis gar nicht über den Wasserspiegel hinaus hoch. Ebenso bei der Ytong Multipor. Bin ratlos, was ich nun zur Innendämmung verwenden soll1

  7. Ralf Plag meint:
    16.Juli 2011 at 10:41

    Hallo Herr Drews,
    Ihr Experiment verwundert mich! Um mir meine eigene Meinung zu bilden, habe ich ebenfalls ein Stück Holzfaserplatte in einen Teller mit Wasser gelegt. Meine Beobachtung: Innerhalb der ersten 12 Stunden war kein Hochsteigen der Feuchtigkeit zu beobachten. Wohl aber, dass der Wasserspiegel im Teller deutlich gesunken ist! Das heißt, zunächst hat sich der eingetauchte Teil der Platte langsam mit Wasser vollgesogen. Erst danach dehnt sich der durchnässte Bereich nach oben aus. Nach 16 Stunden stand die Feuchtigkeit bereits 1 bis 2 cm über der Wasseroberfläche. Dass sich diese Effekte vergleichsweise langsam abspielen, hat für die Praxis keinen Nachteil, denn Tauwasser entsteht normalerweise ebenfalls langsam.
    Holzfaserplatten gibt es übrigens auch in bitumierten oder hydrophobierten Varianten, um die Wasseraufnahme zu unterbinden. Diese Dämmplatten sind aber in der Regel nicht für die Innendämmung empfehlenswert.

  8. Michael Drews meint:
    19.Juli 2011 at 23:47

    Hallo Herr Plag,

    mit welcher Platte hatten Sie es denn probiert? Ich hatte Platten von Gutex und Steico, direkt für die Innendämmung.

    Ich habe den gleichen Versuch mit den mineralischen Platten von redstone (pura) und knauf (TecTem) gemacht. Wobei die Pura schon eine deutliche kapillare Leitfähigkeit aufweist. Die TecTem eine noch höhere. In diesem Punkt sind die mieralischen Platten für mich die bessere Wahl.

    Nur frage ich mich, wie verhalten sich die Platten in Bezug auf ihre Wärmeleitfähigkeit, wenn sie durch Kondensat feucht sind. Hier sollen ja die Holzfaserplatten trotzdem noch eine relativ geringe Wärmeleitfähigkeit haben.

    Andererseits wie wirkt sich Feuchtigkeit auf Dauer auf die Holzfaserplatten aus? Fagen diese dann an zu faulen?

    Also noch viele Fragen. Innendämmung scheint eine komplizierte Sache zu sein. Eventuell hat von den Lesern/Benutzern hier ja schon jemand positve/negative Erfahrungen gemacht?
    Für Hinweise wäre ich dankbar.

    PS: Wäre es möglich, die mineralischen Platten mit in die Datenbank aufzunehmen?

    Vielen Dank und schönen Gruß, M. Drews.

  9. Norbert Schnabel meint:
    21.Juli 2011 at 17:27

    Hallo
    Was mich noch Interressiert, wie sieht es Im Badezimmer mit diesen Maßnahmen aus. Genauer im Bereich der Dusche. Dort sollen Fliesen auf Die Holzfaserplatten. Was passiert in Diesen bereichen?

    Gruß Norbert Schnabel

  10. Ralf Plag meint:
    23.Juli 2011 at 19:56

    Hallo Herr Schnabel, Dusche im Fachwerkhaus, an Außenwand grenzend, ist ein ganz besonders delikater Fall, bei dem ich einen Ratschlag, ohne die Situation vor Ort zu kennen, für unseriös halten würde. Um die Lage besser einzuschätzen, kann ich Ihnen nur empfehlen, relevante Foreneinträge auf http://www.fachwerk.de zu suchen, da wurde dieses Thema schon öfter diskutiert. Ich bin auch der Meinung, dass sich der kostenpflichtige Rat eines Fachwerk-Profis (ebenfalls unter http://www.fachwerk.de zu finden) in so einem Fall immer bezahlt macht.
    Grüße, und gutes Gelingen!

  11. Ralf Plag meint:
    24.Juli 2011 at 11:51

    Hallo Herr Drews,
    ich hatte ebenfalls ein Stück Gutex Innendämmung, ca. 8x8x8cm³, ca. 2 Jahre alt.
    Holzfaserplatten sind tatsächlich weniger kapillaraktiv als poröse, mineralische Dämmstoffe. Was das für die Bauphysik einer Innendämmung bedeutet, lässt sich anhand eines Eintauchexperiments aber nur unvollkommen verstehen. Wenn man sich etwas mehr mit dem Feuchteverhalten von Baustoffen beschäftigt, stellt man schnell fest, dass sich hier hochinteressante und sehr komplexe Physik abspielt. Ich versuche mal an der Oberfläche zu kratzen: Feuchtigkeit wird per Dampftransport und per Kapillarwassertransport geleitet. Die Eigenschaften von Kapillaren hängen entscheidend von deren Durchmesser ab: kleiner Durchmesser saugt stark, nimmt aber nur wenig Wasser auf, großer Durchmesser saugt weniger stark, kann aber viel Wasser aufnehmen. In praktisch jedem Baustoff gibt es Kapillare unterschiedlicher Durchmesser, man kann hier lediglich eine Verteilung angeben. Um das daraus resultierende Feuchteverhalten zu beschreiben, müssen mehrere Parameter herangezogen werden, der bekannteste ist vermutlich der Wasseraufnahmekoeffizient Aw, der vermutlich auch das Eintauchexperiment weitgehend beschreibt. In der Praxis ist der Wasseraufnahmekoeffizient aber – wie der Name sagt – für die WasserAUFNAHME relevant, z.B. bei Schlagregenbeanspruchung, und weniger für Kondensationsprozesse.
    Wieviel Wasser eine Holzfaserplatte bereits aufgenommen hat, kann man übrigens nicht direkt sehen. Erst wenn die Poren gesättigt sind, sieht die Platte richtig nass aus. Dann ist es aber auch hier mit der Dämmfähigkeit dahin. Allerdings können diese Platten vergleichsweise viel Feuchtigkeit aufnehmen, BEVOR die Kapillare gesättigt sind. Und dann dämmen die Platten auch noch einigermaßen.
    Was Feuchtigkeit auf längere Zeit bei Holzfaserplatten anrichtet, kann ich nicht genau sagen: Wenn die Feuchtigkeit im richtigen Bereich liegt, müssten sie tatsächlich irgendwann anfangen zu schimmeln. Das konnte ich selbst aber bisher noch nicht beobachten, weder bei Abfallstücken, die längere Zeit in Dreck und Regen lagen, noch bei meiner seit drei Jahren immer noch unverputzten Außendämmung :-X
    Die Dämmstoffe pura und TecTem habe ich aufgenommen, einen großen Unterschied wird Ihnen der U-Wert-Rechner allerdings nicht ermitteln, da die Kapillarität bisher leider überhaupt nicht bei der Feuchterechnung berücksichtigt wird.
    Grüße
    Ralf Plag

  12. Michael Drews meint:
    1.August 2011 at 22:54

    Hallo Herr Plag,

    ich muss Ihre Antwort erst mal “verdauen”. Ich möchte mich aber schon mal für Ihre Mühe zur Beantwortung meiner Fragen und Ihrer Arbeit hier an diesen Seiten bedanken.

    Schönen Gruß,
    Michael Drews.

  13. Christoph Theis meint:
    16.November 2011 at 12:19

    Hallo,
    in dem Artikel oben steht: “Die Stärke der Holzfaserdämmplatten sollte nach Meinung vieler Experten 6 cm nicht übersteigen.”
    Ich bin derzeit am Innenausbau einer ehemaligen Scheune mit außen sichtbarem Gefachen.
    Um möglichst viel Energie zu sparen, möchte ich gerne einen Wärmedurchgangskoeffizient der Wand von 0,024W/(m^2*K) oder besser erreichen.
    Bei dem, im Artikel beschriebenen, Wandaufbau wären hierfür mindestens 16,5cm Holzfaserdämmplatten notwendig. Die oben empfohlenen Flächenheizkörper an den Außenwänden halte ich für nicht sehr sinnvoll, da die Wärmeübertragung in den Raum durch Konvektion gegenüber “normalen” Radiatoren nur ein Bruchteil beträgt und in dem Raum teilweise Regale und Bilder an der Wand angebracht werden sollen.
    Gibt es da noch ein paar Tipps wie ich den Wandaufbau am besten gestalte?

    Gruß
    Christoph

  14. Ralf Plag meint:
    17.November 2011 at 09:01

    Hallo Christoph,
    bitte tun Sie Ihrem Fachwerk keine Experimente an! Suchen Sie sich einen Experten, der viele Jahre Erfahrung mit Fachwerk hat, und lassen Sie sich beraten. http://www.fachwerk.de kennen Sie sicher bereits.
    Grüße
    Ralf Plag

  15. Bastian Niemann meint:
    28.November 2011 at 00:02

    Können feuchte Holzfaserplatten schimmeln?

  16. Ralf Plag meint:
    4.Dezember 2011 at 17:21

    Ja, Holzfaserplatten können Schimmeln wenn Sie dauerhaft feucht sind.

  17. Werner Renrew meint:
    8.Dezember 2011 at 17:06

    Hallo Herr Plag,

    in dem Artikel erwähnen Sie, dass in Kombination mit einer Wandheizung Dämmstärken jenseits von 6cm möglich und sinnvoll seien.
    Welche Dämmstärken wären in diesem Fall noch sinnvoll oder gibt es dann keine Einschränkungen mehr bzgl. des Tauwasserproblems?
    Welche weiteren Aspekte müssten in diesem Fall berücksichtigt werden?

    Gruß
    Werner

  18. Ralf Plag meint:
    19.Dezember 2011 at 11:43

    Hallo Werner,
    dies hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab wie z.B. vorhandener Wandaufbau, Auslegung der Heizung (Vorlauftemperatur), Klima (innen und außen)…
    Eine pauschale Antwort kann ich deshalb nicht geben.
    Grüße
    Ralf Plag

  19. Niklaus Sägesser meint:
    16.Januar 2012 at 22:57

    Hallo Herr Plag
    Kann das Taupunktproblem nicht mit dem Einsatz eines Dämmstoffes aus 100% Schafwolle anstelle der Mineralwolle gelöst werden. Schafwolle nimmt Feuchtigkeit auf (ca. 1/3 des Eigengewichtes) und gibt diese wieder ab?
    Gruss
    Niklaus Sägesser

Kommentare

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