« Wohin geht die Wärme? | Außendämmung auf Fachwerk »
Dämmung von Fachwerk
Von Ralf Plag | 21.5.2010Zu oft wird leider übersehen, dass sich Fachwerkhäuser ganz erheblich von Häusern aus Stein unterscheiden. Eine Wärmedämmung, die auf Mauerwerk gut funktioniert, kann bei einem Fachwerkhaus innerhalb weniger Jahre erheblichen Schaden anrichten. Dieser Artikel soll ein Gespür für die besonderen Eigenschaften des Fachwerks vermitteln und helfen, Bauschäden zu vermeiden.
Bei Fachwerk besonders zu beachten:
- Holz ist feuchtigkeitsempfindlich. Je höher die Holzfeuchte, umso leichter können Pilze und Insekten das Holz zerstören. Davor gefeit sind nur Tropenhölzer und (weitgehend) das Kernholz der Eiche. Aber schon das Eichen-Splintholz kann Pilzen und Instekten wenig entgegen setzen. Glücklicherweise werden viele Schädlinge erst aktiv, wenn die Holzfeuchte über ca. 20% liegt. Im beheizten Innenraum beträgt die durchschnittliche Holzfeuchte ca. 10%. Wenn sich aber in der Dämmung Wasser ansammelt und die Balken durchfeuchtet, erreicht die Holzfeuchte schnell ideale Bedingungen – ideal für Pilze und Insekten.
- Holz ist ein natürliches Material. Es quillt und schwindet, je nach Jahreszeit bzw. Feuchtigkeitsgehalt. Trockenheit lässt die Fachwerkbalken schrumpfen, so dass zwischen Ausfachung und Fachwerkbalken Ritze und Spalte entstehen. Bei feuchter Witterung schließen sie sich wieder. Dagegen lässt sich im Übrigen nicht viel tun: Das Versiegeln der Fugen mit Silikon kann durchaus kontraproduktiv sein: Dauerhaft dicht werden sie dadurch nicht. Und irgendwann wird wieder Wasser eindringen, das dann nicht mehr so schnell seinen Weg nach draußen findet. Besonders fatal ist die Kombination mit einem diffusionsdichten Anstrich welcher die Feuchtigkeit daran hindert, über die Ausfachung abzutrocknen. Doch das nur am Rande.
Durch diese unvermeidlichen Spalte dringt Feuchtigkeit: Bei einer Außendämmung hat die feuchte Raumluft ungehinderten Zutritt zur Dämmung. Bei einer Innendämmung kann Schlagregen unbemerkt in die Dämmung eintreten.
Bei Altbauten grundsätzlich zu beachten:
- Eine Isolierung sollte nur angebracht werden, wenn die Wand trocken und vor aufsteigender Feuchtigkeit geschützt ist. Ist sie das nicht, wird die Feuchtigkeit im besten Fall vermehrt an der Wandinnenseite verdunsten und dort für ein Tropenklima sorgen. Im schlechtesten Fall werden Dämmung und Balken durchnässt – mit irreparablen Schäden.
- Tauwasser entsteht in einer Wand nicht nur bei feuchtwarmer Innenluft und besonders kalten Außentemperaturen, sondern auch, wenn sich Temperatur oder Luftfeuchte zeitlich ändern. Es muss also grundsätzlich immer mit etwas Tauwasser gerechnet werden, auch wenn die Konstruktion nach Glaser tauwasserfrei ist.
Wie eine geeignete Innen- oder Außendämmung aussehen könnte, beschreiben die folgenden beiden Artikel:
Themen: Bauphysik, Informationen
Kommentare
Bitte posten Sie nur Kommentare, die sich unmittelbar auf oben stehenden Artikel beziehen. Darüber hinaus steht Ihnen das Forum zur Verfügung.