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Außendämmung auf Fachwerk

Von Ralf Plag | 21.5.2010

Wie bei jeder anderen Dämmung auch, sollte die Bildung von Tauwasser vermieden werden. Bei Fachwerkwänden muss aber in besonderem Maße damit gerechnet werden, dass der Feuchtigkeitseintrag größer als erwartet ist, und dass Tauwasser trotz aller Vorkehrungen anfällt. In diesem Fall muss die Feuchtigkeit von den Balken ferngehalten werden und so schnell wie möglich verdunsten können.

Für den Dämmstoff bedeutet dies:

  1. Er muss unbedingt sorptionsfähig sein, d.h. er muss Wasser aufnehmen können und es vom Holz weg leiten. Daraus folgt auch, dass der Dämmstoff nicht feuchteempfindlich sein darf, damit er seine Dämmwirkung nicht sofort verliert. Und letztendlich muss er die Feuchtigkeit auch wieder abgeben können, um ein schnelles Austrocknen zu ermöglichen.
  2. Der Dämmstoff muss “atmen” können, d.h. er muss diffusionsoffen sein: Wasserdampf muss aus der Fachwerkwand möglichst ungehindert entweichen können. Kann er das nicht, steigt der Dampfdruck in der Konstruktion und es kann Tauwasser ausfallen.
  3. Die Wärmeleitfähigkeit muss in einem akzeptablen Bereich liegen.

Sorptionsfähig sollte im übrigen die gesamte Konstruktion sein, nicht nur der Dämmstoff. Nur so kann Wasser bis zur Oberfläche transportiert werden und dort abtrocknen. Hohlräume, z.B. zwischen Fachwerk und Dämmplatte, unterbrechen die Sorption und sollten vermieden werden.

Welcher Dämmstoff ist nun der richtige? Es gibt einen, der die drei genannten Kriterien besonders gut erfüllt: Die Holzfaserdämmplatte (oder Holzweichfaserplatte).

Holzfaserdämmplatten

Durch die Sorptionsfähigkeit kann sie vergleichsweise große Mengen Wasser aufnehmen, ohne ihre Dämmwirkung zu verlieren. Das Wasser verteilt sich in der Dämmplatte und kann auf der Außenseite abtrocknen. So ist die Fachwerkkonstruktion ideal geschützt.
Holzfaserdämmplatten bieten außerdem einen exzellenten sommerlichen Hitzeschutz.

Wandaufbau mit Holzfaserdämmplatte (Zeichnung)

Diese Abbildung zeigt den relativen Dampfdruck in % (analog zur relativen Luftfeuchtigkeit) in einer mit Holzweichfaserplatten gedämmten Wand. Bei Werten von 100% beginnt Tauwasser auszufallen. Je größer der Abstand zur 100% Linie, desto besser, weil die Konstruktion größere Reserven für unplanmässigen Feuchtigkeitseintrag bietet. Hier dargestellt ist die Dämmung eines mit Leichtlehmsteinen ausgemauerten Gefachs – weil es im Vergleich zum Holz den flächenmässig höheren Anteil darstellt.

Holzfaserdämmplatten werden möglichst hohlraumfrei auf die Außenwand geklebt und mit den Fachwerkbalken verschraubt/verdübelt. Dazu muss die Fassade meist etwas egalisiert werden. Dazu eignet sich Lehmputz besonders gut, da er stark saugfähig ist und dabei hilft, Wasser von den Fachwerkbalken fern zu halten.

Die Holzfaserdämmplatten können auf der Außenseite mit einem dünnen, diffusionsoffenen Putz versehen werden. Besser ist aber die Montage einer hinterlüfteten Vorhangfassade, z.B. aus Holz oder Schiefer, denn eine Putzschicht (auch eine dünne) verschlechtert die Diffusionsfähigkeit deutlich und erhöht das Risiko von Tauwasser. Einen idealen Schlagregenschutz bekommen Sie mit der Vorhangfassade obendrein.

Was Sie vermeiden sollten

Daneben möchte ich zwei Dämmstoffe erwähnen, die leider viel zu oft bei Fachwerkhäusern zum Einsatz kommen, nach der begründeten Ansicht vieler Experten am Fachwerk aber nichts verloren haben. Unzählige Schadensfälle untermauern dies, nachzulesen z.B. auf www.fachwerk.de:

Mineralwolle

Mineralwolle (Glasswolle oder Steinwolle) dämmt gut und ist so diffusionsoffen, dass sogar an einer dickeren, außenliegenden Fassadenbahn Tauwasser kondensieren kann. Wie untenstehende Abbildung zeigt, bietet diese Konstruktion vergleichsweise wenig Reserven für zusätzliche Feuchtigkeit. Sollte sich aber einmal Feuchtigkeit niederschlagen, verliert Glasswolle ihre Dämmwirkung und trocknet nur sehr schlecht wieder aus. Und wenn die Fasern erst einmal zusammen kleben, kann von Dämmung keine Rede mehr sein. Dies ist gerade bei Fachwerk brisant: Durch unvermeidliche Ritzen und Spalten in die Dämmung eindringende, feuchte Raumluft führt hier unweigerlich zu Tauwasser.

Negativbeispiel: Wandaufbau mit Mineralwolle (Zeichnung)

Hier ein negatives Beispiel: Die gleiche Fachwerkwand mit einer Dämmung aus Mineralwolle. Der relative Dampfdruck verläuft gefährlich dicht an der Tauwassergrenze. Der Verlauf der Kurve kann durch die Wahl einer durchlässigeren Fassadenbahn (Unterspannbahn) etwas verbessert werden. Allerdings sollte die Fassadenbahn unbedingt winddicht bleiben.

Um die Gefahr von Tauwasser zu reduzieren, müsste raumseitig eine Dampfbremse angeordnet werden. Aber: Macht die Dampfbremse die Bewegungen des Fachwerks mit und bleibt dauerhaft dicht? Kann trotzdem eingedrungene Feuchtigkeit noch schnell genug abtrocknen? Experten Raten von einer Dampfbremse in Fachwerkhäusern ab.

Styropor (Polystyrol, PS)

Hier sieht die Situation noch schlechter aus: Polystyrol ist 10-20 Mal diffusionsdichter als Holzfaserdämmplatten und nicht sorptionsfähig. Sollte sich hier Feuchtigkeit (Tauwasser) niederschlagen, so sind die Tauwassertröpfchen in den Styroporkügelchen “gefangen”. Die Wärmeleitfähigkeit steigt, eine rasche Austrocknung wird durch die fehlende Sorptionsfähigkeit verhindert. Styropor ist nicht in der Lage, Feuchtigkeit vom Holz wegzutransportieren. Der höherer Diffusionswiderstand führt außerdem zu einer bis zu ca. 2% höheren Holzfeuchtigkeit (im Vergleich zur Dämmung mit Holzfaserdämmplatten).

Wandaufbau mit Styropor (Zeichnung)

Dämmung mit Styropor (Polystyrol). Auch diese Konstruktion bietet weniger Reserven als die Variante mit Holzfaserdämmplatten. Zudem ist Styropor nicht sorptionsfähig und behindert das Trocknen der Fachwerkwand.

An dieser Stelle möchte ich außerdem auf die Presseinformation des Umweltbundesamtes “Bromierte Flammschutzmittel: Schutzengel mit
schlechten Eigenschaften?”
hinweisen: Wegen der in Polystyrol enthaltenen Flammschutzmittel legt das Bundesamt die Verwendung anderer Dämmstoffe nahe: “Für HBCD in Dämmstoffen aus Polystyrol ist bisher kein alternatives Flammschutzmittel bekannt. Allerdings erfüllen bei den meisten Anwendungen andere Dämmstoffe – beispielsweise Mineralwolle – die gleiche Funktion.”

Fazit

Die beiden Konstruktionen mit Mineralwolle und Styropor funktionieren im Idealfall ebenfalls. Für die Unzulänglichkeiten eines Fachwerkhauses sind sie jedoch vergleichsweise schlecht gewappnet: Sollte der Feuchtigkeitseintrag höher als erwartet sein – und damit muss jeder Fachwerkhausbesitzer rechnen – stehen der Zerstörung Tür und Tor offen. Die dann eventuell fällige zweite Sanierung wiegt die Einsparungen bei der billigeren Dämmung mit Sicherheit mehr als auf. Sicherer und langfristig billiger ist es deshalb, gleich in eine besser geeignete, aber teurere Dämmung und einen mit Fachwerkhäusern erfahrenen Planer zu investieren.

Weiter lesen: Innendämmung von Fachwerk

Themen: Bauphysik, Informationen


7 Kommentare zu “Außendämmung auf Fachwerk”

  1. . Peter Haase meint:
    25.August 2011 at 12:29

    Hallo, sehr geehrter H, Plag:
    Klasse Ihr Beitrag. M.E. stellt sich die gleiche Frage doch auch bei einer Holzständerwand. Einfach zur Dämmwertverbesserung 6 – 8 cm Styropor draufpacken und dann noch einen Kunstharzputz – das kann doch nicht hinhauen.
    P.H.

  2. Ralf Plag meint:
    26.August 2011 at 20:01

    Zwischen historischem Fachwerk und einer modernen Holzständerwand gibt es doch einige Unterschiede: Die moderne Wand besteht aus genormten Materialien, ist mit OSB-Platten o.ä. ausgesteift, absolut gerade und arbeitet praktisch nicht. Das Risiko, dass hier Feuchtigkeit auf unvorhergesehene Weise in die Dämmung eindringt, ist deshalb deutlich geringer, als bei einer historischen Fachwerkwand. Trotzdem sehe ich persönlich auch die Styropor-gedämmte Holzständerwand kritisch: Wird die Dampfbremse beschädigt, z.B. durch nicht fachgerechten/späteren Einbau einer Steckdose, kann es auch hier zu einem Feuchteproblem kommen.
    Grüße
    Ralf Plag

  3. fpg meint:
    4.September 2011 at 17:36

    moin Herr Plag,

    zunächt höchstes Lob für die informativen Beiträge !
    Meine Planunge decken sich im hohen Maße mit dem geschriebenen, trotzdem habe ich noch eine Frage.
    Aus verschiedenen Gründen kann ich mein Fachwerkhaus (Eiche, Lehm) nur mit einer 160mm Holzfaserdämmung (Steico-flex) plus Bodendeckelschalung “einpacken”. Um die von der KFW geforderten U-Werte zu erreichen, möchte ich innen ebenfalls mit Holzfaser (steico-flex) eine 40mm Dämmung hinter Gipskarton bzw. Spanplatte, aufbringen. Die Kombination erscheint im u-wert-Rechner nicht brisant, macht mir aber schon etwas Sorgen. Soweit es irgendwie vermeidbar ist, verzichte ich gern auf Dampfsperren- bzw. bremsen

    mfg.

    der fpg

  4. P.Fischer meint:
    18.September 2011 at 22:01

    Hallo Herr Plag,

    vielen Dank für Ihren Beitrag.
    Ich möchte mein Fachwerkgebäude aus dem Jahr 1760 dämmen. Die Energieberatung hat eine Dämmstärke von 14 cm Mineralwolle 0,35 ergeben um den KFW Werten gerecht zu werden. Gedanklich beschäftige ich mich mit der Alternative “Iso floc” mit Holzfaserplatten und Außenputz.
    Der Wandaufbau ist von Innen Gipskarton, Wandheizung, Mauerwerk aus Vollziegel, Sandstein, Lehmgeflecht und mehrere cm Altputz.

    Welche Variante stellt die Bessere dar??

    Mfg

    P. Fischer

  5. Ralf Plag meint:
    19.September 2011 at 08:48

    Hallo Herr Fischer,
    besuchen Sie doch mal http://www.fachwerk.de und lassen Sie sich dort etwas inspirieren. Mineralwolle ist hier sicherlich nicht die beste Alternative.
    Grüße
    Ralf Plag

  6. T Cremer meint:
    27.Januar 2012 at 16:29

    Hallo

    Wir wollen unser Fachwerkhaus von außen Verschiefern.
    Das Fachwerk ist aus Lehm und teilweise mit Steinen Ausgemauert.

    Kann mann das Fachwerk von aussen mit STeinwolle Dämmen und dann eine hinterlüftete Fassade aus Schiefer anbringen

    Mfg
    Thomas

  7. Gutheins meint:
    9.September 2013 at 13:18

    Hallo,
    sehr interessant sind die hier beschriebenen Vorteile der flexiblen Holzfaserdämmplatten beim Fachwerkbau. Wie sehen Sie die Eigenschaften von MULTIPOR-Platten im Vergleich dazu?

Kommentare

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